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 Cloyne-Report: Endgültige Trennung von Staat und Kirche? Als Taoiseach Enda Kenny am Mittag des vorletzten Sitzungstags vor der Sommerpause im Dáil aufstand, um Stellung zum Cloyne-Report zu nehmen, hätte keiner eine historische Rede erwartet, weder die zehn Abgeordneten, die sich im weiten Rund von Leinster House verloren, noch die Journalisten – alle waren schon halb im Urlaub.
Es war keine gewöhnliche Rede. Es war, wie der Irish independent am 21. Juli schrieb, „nichts anderes als eine Kriegserklärung, eine schallende, wortgewandte, mächtige Erklärung des ‚Nevermore’.” Ja, so das Blatt, die Rede markiere „die endgültige Trennung von Kirche und Staat” in Irland.
Fehdehandschuh Mit ungewöhnlicher Klarheit und ohne den geringsten Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen zu lassen, warf Enda Kenny der Katholischen Kirche den Fehdehandschuh vor die Füße. Bis hierher und nicht weiter! Zu lange habe die Kirche die „Vergewaltigung und Folter von Kindern heruntergespielt”, um im Zweifelsfall die Vormachtstellung und ‚Reputation’ der Kirche zu sichern.
Statt mit Demut und mit Sankt Benedicts „Ohr des Herzens” zuzuhören, sei nur „mit den Luchsaugen des Kirchenrechts” kalt analysiert worden. Die Kirche habe sich damit diametral von ihren radikalen Wurzeln entfernt. Ein vernichtendes Urteil aus dem Mund eines praktizierenden Katholiken!
„Dies ist nicht Rom!” Es waren die Enthüllungen des Reports über sexuellen Kindesmissbrauch durch den Klerus in der Diözese Cloyne, die zu dieser Konfrontation zwischen Staat und Kirche geführt haben. Nach dem Ryan- und dem Murphy-Report sei Irland vielleicht „unshockable”, wenn es um Kindesmissbrauch gehe, meinte Enda Kenny. Aber Cloyne sei anders: „Denn zum ersten Mal enthüllt ein Untersuchungsbericht über Kindesmisshandlung in Irland den Versuch des Heiligen Stuhls, die Untersuchung einer souveränen, demokratischen Republik zu behindern, und dies vor nur drei Jahren, nicht etwa vor drei Jahrzehnten.”
„Dies ist nicht Rom!”, rief Enda Kenny: „Auch nicht das Irland der ‘Industrieschulen’ und Magdalene Homes, wo das Rauschen einer Soutane Gewissen und Menschlichkeit erstickte und ein schwingendes Weihrauchfass die irisch-katholische Welt regierte. Niemals wieder. Dies ist die Republik Irland im Jahr 2011. Eine Republik der Gesetze, des Rechts und der Verantwortung, einer gemäßen zivilen Ordnung, in der die Pflichtvergessenheit und Arroganz einer bestimmten Version, einer besonderen Art von ‘Moralität’ nicht länger toleriert oder ignoriert wird.”
Was dies heißt, verdeutlichte Frances Fitzgerald, die Ministerin für Kinderfragen. Sie schloss kategorisch aus, das Priester und ihr Beichtgeheimnis von den neuen gesetzlichen Vorschriften ausgenommen würden, die jedem bis zu fünf Jahre Gefängnis androhen, der ihm bekannt gewordene Fälle von Kindesmissbrauch nicht der Polizei meldet. Der irische Staat stellt damit das Beichtgeheimnis der katholischen Kirche in Frage.
Büßende Kirche Kein anderer Taoiseach hat je so deutlich gegen den Vatikan Stellung bezogen wie Enda Kenny: „Die Kirche muss heute eine büßende Kirche sein, wahrhaftig und tief in der Buße für die Schreckenstaten, die sie begangen, gedeckt und verleugnet hat.” Und er versicherte den Opfern, dass sie in einer Nation lebten, in der das Gesetz – „ihr Gesetz als Bürger dieses Landes” – über Kirchengesetzen stehe, „die weder Legitimität noch Platz in den Angelegenheiten dieses Landes haben.” Er zog damit eine klare Trennungslinie zwischen Kirche und Staat. Kinder – Kirche – Kenny Cloyne-Bericht dokumentiert Versagen der Kirche bei der Aufklärung von Missbrauchs-Fällen
Ein neues Kapitel bei der fortwährenden Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an Kindern durch Vertreter der Kirche ist mit dem offiziellen Untersuchungsbericht über die Diözese Cloyne (Co Cork) aufgeschlagen worden. Auch hier, so der Tenor des 400-seitigen Reports der Kommission unter der Richterin Yvonne Murphy, wurde der sexuelle Missbrauch von Kindern durch Priester von den Kirchenoberen vertuscht, wurden die Täter im Talar bis in die allerjüngste Zeit hinein geschützt.
Und das, obwohl die irischen Bischöfe auf einer Konferenz im Jahr 1996 beschlossen hatten, neue, strengere Richtlinien für den Umgang mit Missbrauchsfällen in allen Gemeinden umzusetzen. Demnach sollten Missbrauchsfälle umgehend den zuständigen Behörden gemeldet werden. Weil aber der Vatikan selbst den Beschluss untergraben hatte, blieb in der Diözese Cloyne die Vertuschung von Missbrauchsfällen auch weiterhin an der Tagesordnung. Wie der Bericht, der Vorwürfen gegen neunzehn Priester nachging, die zwischen 1996 und 2009 in Cloyne ihren Dienst versahen, an den Tag brachte, wimmelte der zuständige Bischof von Cloyne, John Magee, der 2010 in Ruhestand ging, wiederholt ermittelnde Behörden mit Falschaussagen ab.
Während sich der ehemalige Bischof und sein Adlatus, Monsignore Denis O’Callaghan, bei den Opfern „aufrichtig” entschuldigten, weil sie den Vorwürfen nicht die notwendige Beachtung geschenkt und sich oft mehr um das Wohl der beschuldigten Priester als um das ihrer unschuldigen Opfer gekümmert hätten, wurden in der Politik Stimmen laut, die ein strengeres Vorgehen staatlicherseits gegen die Kirchenpraxis fordern. Die Bestrafung von Sexualstraftätern könne und dürfe nicht länger nur eine interne Angelegenheit der Kirche sein. Der irische Tánaiste Eamon Gilmore bestellte den päpstlichen Gesandten, Erzbischof Guiseppe Leanza, zu einem Gespräch ins Außenministerium.
Er habe den Erzbischof darüber in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, an den Vatikan weiterzuleiten, dass nach einem neuen Gesetz in Irland jedem fünf Jahre Gefängnis drohen, der es verabsäume, die Behörden zu informieren, wenn ihm Verbrechen gegenüber Kindern bekannt werden. Die irische Regierung, so Gilmore weiter, könne nicht akzeptieren, dass die Einmischung des Vatikans Priester habe glauben lassen, sie könnten die irischen Gesetze guten Gewissens umgehen. Er erwarte darauf eine Antwort des Vatikans.
Der Bericht hat der bereits erheblich lädierten Reputation der katholischen Kirche in Irland einen weiteren schweren Schlag versetzt. Und erstmals ist nun der Vatikan selbst im Fadenkreuz der irischen Politik, wie die Äußerungen von Eamon Gilmore und Enda Kennys Rede im Dáil am 20.Juli deutlich machten.
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Historischer Tiefpunkt der Beziehungen Mit der Rede von Enda Kenny, die von Dermot Keogh in der Irish Times am 22. Juli als „historisch” eingeordnet wurde, haben die Beziehungen zwischen der irischen Regierung und dem Vatikan, wie auch Paul Cullen in der Irish Times anmerkte, einen historischen Tiefpunkt erreicht.
Der Vatikan hatte auf den Report über die Zustände in der Diözese Cloyne mit einer Stellungnahme durch den Sprecher des Papstes, Fr. Federico Lombardi, reagiert. Dieser hatte die Kritik der irischen Regierung an einen Brief des päpstlichen Nuncio an die Bischöfe aus dem Jahr 1997 zurückgewiesen, der es nach Interpretation auch aus Kirchenkreisen ihnen überließ, ob sie Fälle von priesterlichem Kindesmissbrauch der staatlichen Strafverfolgung melden. Darin, so Lombardi, könne jedoch keine Aufforderung gesehen werden, Vergehen zu ignorieren oder zu vertuschen. Justizminister Alan Shatter nannte diese Äußerungen „unglücklich und unredlich”.
Lektion lernen Ganz im Gegensatz zum Vatikan warnte der Dubliner Erzbischof Dr. Diarmuid Martin davor, die Aufklärung zu sabotieren. Er forderte den Vatikan auf, die Position der irischen Bischöfe zu bekräftigen, dass jeder Missbrauch angezeigt und verfolgt werden müsse. Weitere Untersuchungen über den sexuellen Kindesmissbrauch in den Diözesen könnten nur dann die Wahrheit an den Tag bringen, wenn die Menschen in der katholischen Kirche auch bereit seien, sie zu offenbaren. Wenn hohe Würdenträger sich jetzt nicht der Ehrlichkeit verpflichtet fühlten, würden sie in kommenden Untersuchungen zur Praxis in ihren Diözesen bloßgestellt werden.
Ob er glaube, dass man seinen Bischofskollegen bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle trauen könnte, wurde der Erzbischof gefragt. Er hoffe es, war seine Antwort. Und, fügte er hinzu, wer immer noch nicht bereit sei, offen und ehrlich zu agieren, der solle sich die Lektion aus den Worten von Taoiseach Enda Kenny vor dem Parlament hinter seine Ohren schreiben.
Schockiert über die Enthüllungen zeigte sich auch der Primas der katholischen Kirche Irlands, Kardinal Seán Brady, der vor zwei Jahren noch keine Gründe für einen Rücktritt von Bischof Magee gesehen hatte. Aus heutiger Sicht, so räumte der Kardinal ein, seien die Richtlinien des Vatikans zum Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch, die dem Bischof von Cloyne letztlich freie Hand beim Umgang mit den Vorwürfen gelassen hätten, „nicht sehr hilfreich” gewesen. Eberhard "Paddy" Bort (Vor)Abdruck (erscheint/erschienen in der Ausgabe irland journal 3.11) der historischen Rede von Enda Kenny im irischen Parlament Hier geht es zur Originalrede von Enda Kenny
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